Skandal um die Leiharbeit im Versandhandel

Artikel neu aufgelegt - Ursprung: Amazon Skandal

Seit einigen Tagen wird in den Medien über den Amazon Skandal mit den Leiharbeitern berichtet und diskutiert und die Empörung ist groß. So groß auch die Empörung im Volk darüber sein mag, so gering ist das Wissen darüber, dass die eigentlichen Verantwortlichen des Amazon Skandal, vom Volk selbst gewählt wurden. Denn der Gesetzgeber legt die Spielregeln und Grenzen fest, ein Unternehmen dagegen lotet nur seine Grenzen aus.

Leiharbeit: Der Staat hat es eingeführt !

Skandal der LeiharbeitLeiharbeit: Ein Skandal der PolitikLeiharbeit ist durchaus ein legitimes Mittel um schnell an neue Arbeitskräfte zu gelangen und diese auch zu entledigen, wenn sie nicht mehr gebraucht werden. Der Staat hat die Leiharbeit eingeführt um Unternehmen einen höhere Flexibilität zu ermöglichen, damit die Wirtschaft wieder angekurbelt wird. Jedoch ist der Gesetzgeber und insbesondere der deutsche Gesetzgeber ein Zauderer, welcher vor Unfähigkeit, mangelndem Denken, wenig Einfallsreichtum und einer kindlichen Gutgläubigkeit nur so glänzt. Wenn der Staat Leiharbeit ermöglicht, dann bitte auch mit einem Mindestlohn, gesetzlichen Regelungen, die einen Leiharbeiter höher wertet wie einen Festangestellten. Denn wer ein höheres Risiko hat, der hat auch gefälligst mehr zu verdienen.

Stattdessen werden Firmen gefördert, die mit der Leiharbeit nichts anderes tun wie Sklaven zu vermitteln, abkassieren und sich noch als Gutmensch und Förderer der wachsenden Wirtschaft feiern lassen. Ursprünglich war die Leiharbeit nicht nur als Wirtschaftsmotor gedacht, sondern auch um arbeitslose Menschen in Brot und Lohn und letztendlich in eine Festanstellung zu bringen. Die Realität sieht aber so aus, dass Leiharbeiter einen befristeten Arbeitsvertrag bekommen und sobald die gesetzliche Regelung zur Übernahme in das unbefristete Arbeitsverhältnis in Kraft treten würde, ja dann wird dem Leiharbeiter gekündigt und in die nächste Leiharbeitsfirma gesteckt. Diese Praxis ist heute die Normalität und es soll sogar bekannte Süddeutsche Autoerfinder geben, die selbst den hoch geschätzten deutschen Ingenieur nur über eine Personaldienstleistung einstellen. Hut ab!

Outsourcing: Amazon kennt`s, der Staat verpennt`s !

Outsourcing ist die beste, einfachste, billigste und genialste Methode um Verantwortung abzugeben und trotzdem richtig gut dran zu Verdienen. Outsourcing klingt so elegant und toll, dabei ist es nichts anderes wie die Arbeit und die Verantwortung einem Subunternehmer aufs Auge zu drücken. Am besten noch einem Sub Sub Subunternehmer, damit auch die letzte Spur verwischt wird.

Outsourcing ist legal und wird nicht nur von Amazon genutzt, denn selbst ich nutz Outsourcing und zwar bis der Arzt kommt. So ist es mir doch möglich gewesen, über Jahre einen Online Shop zu führen, in dem alles, aber auch wirklich alles bis auf das Geld zählen per Outsourcing betrieben wurde. Über Jahre hinweg ein Sortiment mit 80 000 Produkten geführt und dabei selbst nicht ein einziges mal die Ware selbst in den Fingern gehabt. Mit vermutlich mehreren hundert Arbeitern von denen ich keinen gekannt oder jemals zu Gesicht bekam und trotzdem hab ich den Laden alleine geschmissen, dank Outsourcing.

Problem an der ganzen Sache ist aber, das keiner mehr durchblickt, geschweige versteht wie das Geschäft funktioniert. Somit lassen sich Spuren verwischen und Verantwortung hin und her schieben. Ähnlich wird das auch bei Amazon laufen und die Schuld am Skandal wird hin und her geschoben, bis es keiner mehr versteht und am Ende war es dann doch kein Skandal.

Online Handel = 10 Jahre Vorsprung auf den Gesetzgeber !

Der Gesetzgeber pennt, wacht durch Amazon kurz auf und wird wieder weiter pennen. Exakt so wird es laufen, denn der deutsche Staat hängt im Bereich Internet, Digitalisierung und Online Shop 10 Jahre hinterher. Der Staat kapiert überhaupt nicht mehr wie heute im Internet Geld verdient wird. Wie der Versandhandel in der grauen Zone wirtschaftet, ausbeutet und abkassiert. Der Amazon Skandal ist ein Leiharbeiter Skandal und hat mit dem eigentlichen Skandal noch überhaupt nichts zu tun. Würde man mal hinschauen wie solche Unternehmen nicht den Umsatz, sondern den Gewinn einfahren, dann würde so manch einer mit den Ohren schlackern. Egal welcher große Versandhändler es ist, jeder beutet aus. Entweder die Leiharbeiter, die 1 Euro Jobber, die 450 Euro Jobber, die Teilnehmer an Marktplätzen oder die armen Teufel welche die Ware ausfahren müssen. Jeder hat Dreck am Stecken und jeder schaut weg.

Verändern kann es nur der Staat und nicht die Gutgläubigkeit !

Um solche Skandale wie dieser mit Amazon in Zukunft zu verhindern, gibt es nur eine Möglichkeit. Schafft die 1 Euro Jobber ab und führt endlich mal einen gesetzlichen Mindestlohn von 10 Euro für alle Berufe und Tätigkeiten ein. Wenn das eingeführt wird, dann wird dem Beschiss und der Ausbeutung von Arbeitskräften die Grundlage entzogen. Da ist es dann egal ob es sich hier um Amazon, Otto, Zalando oder dem Friseur um die Ecke handelt.

Wenn der Staat und die Damen und Herren im Bundestag mal begreifen würden, das sie die Spielregeln aufstellen und nicht die Unternehmen und Banken, dann könnten die Damen und Herren auch etwas verändern und bewegen.

Stattdessen kriecht man den großen in den Arsch und versteht nicht, dass jeder Unternehmer seine Grenzen sucht um noch mehr Gewinn zu erwirtschaften. Ein Unternehmer ist nichts anderes wie ein Ingenieur in der Formel 1, dieser kennt das Reglement ganz genau und versucht trotzdem Charlie auszutricksen.

Regeln und Gesetze müssen so ausgelegt sein, dass sich das herantasten an die Grenze, nicht auf die Kosten der Schwachen und Unwissenden negativ auswirkt. Sondern Regeln und Gesetze müssen so ausgelegt sein, dass solche Aktivitäten einkalkuliert werden und weit aus weniger Schaden anrichten, wie es zur Zeit der Fall ist.

Fazit zum Amazon Skandal :

Was Amazon da gemacht hat ist nicht nicht korrekt aber legal. Der Gesetzgeber betreibt Augenwischerei und kapiert nicht wo die Wurzel des Übels ist und wird diese deswegen auch nicht ziehen. Somit macht Amazon nichts anderes wie zig tausend Firmen in Deutschland auch. Sie optimieren den Gewinn auf Kosten der Anderen und sie machen es legal.

Wer denkt, dass Amazon die Leute fest anstellen wird, der täuscht sich. Wer denkt, dass Amazon sich für diesen Skandal entschuldigen wird, weil sie etwas falsch gemacht haben, auch der wird sich irren, denn Amazon denkt an die zufriedenen Kunden, das Image und den Gewinn. Wer denkt der Gesetzgeber verändert etwas, auch der irrt sich, denn der Staat kapiert erst in 10 Jahren was heute im Internet passiert.

Wäre Amazon nicht Amazon und dazu nicht noch der größte Online Shop der Welt, dann hätte die ARD schon gar nicht bei Amazon recherchiert. Würde die ARD der Politik und dem Staat den Spiegel vorhalten und denen sagen, dass so etwas nur möglich ist weil der Staat pennt, dann wären die Rundfunkgebühren mehr wie gerechtfertigt.

Hinweis zum Artikel:

Der Text erschien vor einigen Jahren hier auf dem Blog, geändert an der Problematik hat sich eigentlich nichts… jedoch kann man diesen fast 1 zu 1 auf die „bevorstehende“ Digitalisierung anwenden… die ebenfalls seit 15 Jahren unaufhaltsam läuft und noch so manch Politiker darauf wartet... bis sie mal beginnt.